15 Jahre nach dem Start des ersten Bauabschnitts ist die Sanierung der Haselbacher Kläranlage offiziell abgeschlossen. Das Projekt ist mit veranschlagten Kosten von insgesamt 1,84 Millionen Euro die bisher größte Einzelinvestition in das Abwassersystem der Gemeinde und hat die Kläranlage fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht.
Eigentlich hätte ein derartiges Projekt mit einer großen Einweihungsfeier und einem Tag der offenen Tür für die Öffentlichkeit enden müssen – aufgrund der Corona-Pandemie war aber auch hier wie in vielen Bereichen alles anders. Zur Abnahme kamen Vertreter der beteiligten Firmen und des Ingenieurbüros KEB, außerdem Altbürgermeister Hans Sykora, der den zweiten Bauabschnitt initiiert und im ersten Jahr der Durchführung begleitet hatte – das war’s. Die Bürger, die mithin als Beitragszahler das Projekt finanzieren, sind voraussichtlich im kommenden Frühjahr zum nachgeholten Tag der offenen Tür eingeladen.

Die Abwasserversorgung gehört wohl zu denjenigen Bereichen in der Kommunalpolitik, wo der Wert für das Gemeinwohl und die Wertschätzung durch die Allgemeinheit am weitesten auseinanderklaffen. Das habe ich auch bei der Abnahme noch einmal deutlich zu machen versucht: Mit dem emotionalen Wert, der etwa damit verbunden wird, dass sauberes Trinkwasser aus der Leitung kommt, kann eine Kläranlage nicht mithalten – obwohl es sich dabei um zwei Seiten der selben Medaille handelt. Damit wir auch für die kommenden Generationen sauberes Grundwasser und Trinkwasser erhalten können, ist es unsere Pflicht, die Abwässer, die jeden Tag in jedem Haushalt anfallen entsprechend aufzubereiten.
Im Zuge der Kläranlagensanierung wurde daher die bestehende kompakte Tropfkörperanlage aus den 1960er Jahren, die der Menge an Mischwasser vor allem bei Regen nicht mehr gewachsen war und bezüglich der Reinigungsleistung nicht mehr modernen Ansprüchen genügte, Schritt für Schritt durch eine leistungsfähigere Anlage ersetzt:
- Ab 2005 wurde ein neues Klärbecken errichtet, das nach Abschluss der Sanierung nun als Belebungsbecken dient.
- Zugleich wurde erstmals ein Wartungshäuschen gebaut, in dem die Steuerungstechnik, ein Büro und ein Waschraum für den Klärwärter enthalten sind. Vorher war dafür lediglich ein Container vorhanden.
- 2008 wurden dann noch zwei Schlammsilos gebaut, die der Lagerung von Klärschlamm vor Ort dienen. Während dieser Lagerung wird vor allem der Wasseranteil des Schlamms erheblich reduziert und die Weiterbehandlung dadurch effizienter.
- Ab 2018 wurde in einem zweiten Bauabschnitt dann ein Nachklärbecken errichtet (Bild), in dem das Abwasser von letzten Schlammresten gereinigt wird.
- Zudem wurde anstelle des vorher vorhandenen Bretterverschlags für den Sandfang (mechanische Reinigungsstufe) ein neues Gebäude mit einer neuen und leistungsfähigeren Sandfanganlage gebaut.
- Zuletzt wurde im Frühjahr 2021 die alte Tropfkörperanlage abgerissen. Von der alten Kläranlage ist damit nur noch das darunter liegende Trichterbecken vorhanden, das mit einem Volumen von rund 350 Kubikmetern als Puffer für das bei starken Regenereignissen anfallende Mischwasser dient: Das Wasser, das die Kläranlage nicht verarbeiten kann, gelangt nicht ungefiltert in den Seiberer Bach, sondern wird zwischengespeichert, bis das Abwasseraufkommen wieder nachlässt, und gelangt dann in den Klärprozess.
Angesichts der hohen Kosten und der Tatsache, dass diese als Beiträge an die angeschlossenen Haushalte umgelegt werden, ist es nur recht und billig, dass die Gemeinde den Bürgern über die Mittelverwendung genau Rechenschaft ablegt. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass der Tag der offenen Tür im Jahr 2021 nachgeholt wird. Sollten Sie bis dahin Fragen haben, wenden Sie sich gerne unter den angebenen Kontaktdaten an mich.